Foto oder Computergrafik

Wann sind Fotos noch Fotos und ab wann sind es Computergrafiken?

Foto mit Lightroom belichtet und Photoshop bearbeitet

Vor kurzem hatte ich mit einem Gleichgesinnten eine interessante Unterhaltung. Bei einem Spaziergang kam das Thema Fotobearbeitung auf. Es ging insbesondere um die Ansichten, wie viel Fotobearbeitung für ein Foto noch vertretbar sei und ab wann das Foto durch Verfremdung nicht mehr als Foto gelten würde, sondern als Computergrafik. – Wir vertraten dabei unterschiedliche interessante Ansichten.

Ein Foto belichten ist wie eine gutes Essen kochen

Da hat man ein schönes Foto geschossen, aber irgendwie findet man, dass es noch unspektakulär sei, es wird dem Motiv nicht so richtig gerecht. Für ein Doku-Foto wäre das in Ordnung, aber manchmal braucht ein Foto etwas mehr „pepp“ um sich ausdrücken zu können. Aber wie viel „pepp“ darf ein Foto haben?

Mit Fotos verhält es sich, wie mit einem gutem Essen. Da hat man eine tolle Basis, die man mit Gewürzen besonders hervorheben möchte. Licht und Schatten, wie das Pfeffer und Salz. Ein bischen Farbe, wie die Gewürze, die dem Essen die besondere Note verleiht, um das „Bild“ letzendlich ab zurunden. 

Zuviel des Guten verdecken im besten Fall nur den Eigengeschmack der qualitativen Zutaten, im schlimmsten Fall wird das Essen ungenießbar.

Ein Motiv, welches dem Betrachter in seinen Bann ziehen soll, eine Geschichte vermitteln und vielleicht zum träumen einladen möchte, benötigt zunächst auch einmal eine gute Basis und mehr oder weniger viel Nachbearbeitung. Mit dem Zusammenspiel von Licht, Schatten und Farbe werden die Emotionen unterstrichen, die in diesem einem besonderen Moment festgehalten wurden.

Originales unbearbeitetes digitales Negativ (.raw)

Für die Bearbeitung der digitalen Negative (.raw) nimmt man gewöhnlich eine Software wie z.B. Lightroom oder Aperture. Ich nutze dafür Lightroom.

Hier findet man all die Vorgänge wieder, die man auch schon früher in der Dunkelkammmer vorfinden konnte. Nur halt digital und nicht destruktiv, was das ganze natürlich viel bequemer macht.

Heraus kommt nach einer Bearbeitung, hoffentlich ein Foto, dem man einen besonderen Charakter verleihen konnte.

In Ligthroom belichtetes Foto

Was ist, wenn ich aber einen Schritt weitergehen möchte. Wenn zum Beispiel das Hauptmotiv stimmt, aber das drum herum nicht? Wenn ich dem Bild mehr Ausdruck verleihen möchte, in dem ich den mit Windrädern bestückten Hintergrund, mit einem passenden Himmel austausche?  Oder ich dem Motiv etwas „magisches“ verleihen möchte. Ist es dann verwerflich, das Foto nicht nur zu belichten, sondern auch zu bearbeiten? Ist das dann noch ein Foto oder ist es dann Fotografik, oder etwa Computergrafik?

Fotobearbeitung seit Erfindung des Fotos

Zum Verständnis der Fotobearbeitung möchte ich etwas weiter ausholen, denn die wurde nicht erst mit Photoshop erfunden.

Das manipulieren von Fotos ist so alt wie die Erfindung des Fotos selber um 1922. Schon im 19. Jahrhundert war das manipulieren von Fotos eine gängige Methode der Fotografen, die direkt auf die Glasplatten-Negative malten, um unschöne Elemente oder sogar ganze Personen aus dem Bild zu entfernen.

Im heutigen Zeitalter werden Fotos nach wie vor manipuliert. Nur anstelle von den Glasplatten-Negativen, können Fotografen heutzutage auf moderne Methoden zurück greifen und verwenden digitale Software wie Photoshop. Möglichkeiten vom zuschneiden, anpassen der Farben und Kontrast, bis hin zum entfernen oder hinzufügen von Elementen, helfen dem Fotografen dem Bild eine Geschichte zu vermitteln.

Ausbruch aus dem alltäglichen

Fotos können dabei dokumentieren, Geschichten erzählen oder einfach zum träumen einladen.

Um dies zum Ausdruck zu bringen, reichen manchmal die herkömmliche Methoden der Belichtung nicht aus. Nicht nur dann, wenn ich „nur“ den Hintergrund austauschen möchte, sondern auch ganz besonders dann nicht, wenn ich mit dem Foto in eine magische Fantasy Welt eintauchen möchte. Damit kann ich mit dem Foto aus den alltäglichen Motiven einfach mal ausbrechen um das Fantastische, fast real, greifbar zu machen.

Foto mit Lightroom belichtet und Photoshop bearbeitet, um dem Bild etwas „magisches“ zu vermitteln
Vom Fotograf zum Foto-Künstler

Zu der Frage, wie viel ich denn ein Foto manipulieren darf, bevor es nicht mehr als Foto gilt, sondern als eine Computergrafik, habe ich eine persönliche Meinung zu. Diese ist vielleicht auch durch meine (ganz) frühere Beschäftigung als Computergrafiker etwas beeinflusst.

Ich denke, solange die Basis aus Fotos zusammen gesetzt ist, ist es ein Foto, oder vielleicht Fotografik. Nutze ich als Basis aber z.B. eine 3D Anwendung um eine Scene zu „erstellen“ und nutze für die realistische Darstellung Fotos, die ich auf die 3D Objekte als Maps lege, ist es eine Computergrafik.

Ich versuche aus meinen Fotos manchmal etwas mehr zu machen, als diese hergeben, indem ich von mir erstellte Fotos nutze um Elemente auszutauschen. Dann werde ich vom Fotograf zu einem Foto-Künstler.

Ob man persönlich ein manipuliertes Foto nicht mehr als Foto akzeptieren möchte, muss man am Ende selber entscheiden. Als Kunstform sollte man es aber dennoch tolerieren.

Am letztendlich erzählen wir doch alle Geschichten mit unseren Bildern.

Wie ist Eure Meinung zur Fotobearbeitung?

Motorrad Fahrer, Hobby Fotograf, Gamer, Nerd, Prepper, Ehemann und Vater.
Mit einem Sinclair ZX81 hat alles angefangen.

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